Stellungnahme des Flughafens Rostock-Laage zur Studie der FÖS – Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft

Stellungnahme des Flughafens Rostock-Laage zur Studie der FÖS – Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft

Die FÖS (Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft) übt mit der Veröffentlichung der Studie „Regionalflughäfen: Ökologisch und klimapolitisch unverantwortliche Subventionen“ Kritik an der Existenz von Regionalflughäfen. Der Flughafen Rostock-Laage ist jedoch viel mehr als nur ein Regionalflughafen. Er vernetzt die Region national und international durch die Anbindung an den Hub München und stellt die Erreichbarkeit der Region in einem Maße sicher, die mit keinem anderen Verkehrsträger erreicht werden kann. Die Einbrüche an Fluggastzahlen, welche für den Flughafen Rostock-Laage als dramatisch beschrieben werden, sind auf externe Einflüsse wie die Konkurse von Airlines und Reiseveranstaltern (Germania, bmi, Thomas Cook) zurückzuführen und nicht Ausdruck der regionalen Nachfrage.

Eine übermäßige Flughafendichte kann dem Land Mecklenburg-Vorpommern nicht unterstellt werden bei zwei Verkehrsflughäfen im Bundesland, von denen sich Heringsdorf auf saisonale Verkehre spezialisiert hat und der Flughafen Rostock-Laage mit der üblicherweise im doppelten Tagesrand geflogenen Hub-Anbindung nach München für die notwendige Konnektivität für Geschäftsreisende aus der und in die Region sorgt. Damit ist die Einschätzung des Aufkommens von 29 % der Flüge nicht wie in der Studie „angenommen“ touristisch, sondern geschäftsreisegeprägt. Es ist nicht nachvollziehbar, warum den Flughäfen Dresden, Friedrichshafen und Bremen eine Randlage bescheinigt wird und dem Flughafen Rostock-Laage nicht. Die dafür ausschlaggebenden Kriterien werden nicht benannt. Fakt ist, dass von Rostock nach Frankfurt 7 Stunden Bahnfahrt und nach München 8 Stunden Bahnfahrt als Alternative zum Flug zu veranschlagen sind. Nach Hamburg als Alternativflughafen ist vor und nach einem Flug 185 km Fahrstrecke zu berücksichtigen oder mehr als 2 Stunden Fahrzeit, ohne zeitliche Verzögerungen durch die Stadtdurchfahrt einzubeziehen. Der Flughafen Berlin-Tegel liegt 218 km entfernt. Diese Entfernung erhöht sich mit der Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg auf 292 km oder 3h Fahrzeit oneway ohne die typischen Staus oder Bauarbeiten auf der Strecke zu berücksichtigen. Somit sind die Ausführungen in Tabelle 10 der Studie für den Flughafen Rostock-Laage nicht korrekt. Eine Konzentration auf wenige Flughäfen oder große Drehkreuze ist in einem Flächenland wie Deutschland nicht zielführend, wenn es keine geeigneten Zubringerflüge aus den Regionen gibt, die es ermöglichen, großes Fluggerät für internationale Flüge effektiv zu füllen. Dies ist nicht allein aus den Quellmärkten der Drehkreuze wie Frankfurt oder München möglich.

Flüge vom Flughafen Rostock-Laage sind ein wesentlicher Beitrag für die Konnektivität der Region. Sie bedeuten für Unternehmen der Region 6 Mann-Stunden weniger pro Geschäftsreise an Reisezeit, um eine Geschäftsreise durchzuführen. Damit werden Unternehmen von erheblichem zeitlichem und finanziellem Mehraufwand ihrer Geschäftsreisen entlastet. Die Bedeutung des zweitgrößten deutschen Drehkreuzes München wird durch die Verfasser der Studie verkannt. Die Hub-Anbindung fördert die regionale Entwicklung, die Ansiedlung und das von der Bundesregierung angestrebte Ziel einer Förderung des ländlichen Raumes zur Schaffung von gleichwertigen Lebensverhältnissen in ganz Deutschland.
Fazit: der Flughafen Rostock Laage trägt wesentlich zur Konnektivität der Region bei.

Subventionen/Beihilfen
Zu Subventionen ist die Blickrichtung der Studie eindimensional, wenn man bedenkt, dass jede andere Verkehrsart vom Steuerzahler subventioniert ist (Straßenbau, Schiene, Bestellung und Finanzierung von Zugverkehren durch die Bundesländer sowie die vollständige Finanzierung von ÖPNV durch die kommunalen Träger). So wird vom Luftverkehr gefordert, dass sich die Branche allein trägt. Dies ist anerkannter Maßen (so auch die Betrachtung der EU Wettbewerbskommission) bei Flughäfen mit einem Fluggastaufkommen von unter 700.000 Passagieren im Jahr durch die Vorhaltung, Erstellung und Instandhaltung der notwendigen Infrastruktur nicht möglich. Diese werden durch behördliche Vorgaben, dem Regelwerk der EASA und die Umsetzung gesetzlicher Bestimmungen und hoheitlicher Aufgaben geprägt.

Das Unternehmen Flughafen Rostock-Laage-Güstrow GmbH hat ausschließlich kommunale Gesellschafter. Das EU-Beihilferecht findet Anwendung auf die Zuweisungen von Mitteln von den Gesellschaftern und dem Land (z.B. Betriebsbeihilfen, Investitionsbeihilfen, Erstattung hoheitlicher Aufgaben). In zwei durchgeführten Notifizierungsverfahren wurden die Zukunftsfähigkeit und die Rechtmäßigkeit der Betriebsbeihilfen durch die EU-Wettbewerbskommission bestätigt und genehmigt.

Ein oft nicht beachteter Fakt ist, dass die volkswirtschaftlichen Effekte im Fall des Flughafens Rostock-Laage fast doppelt so hoch sind, wie die finanziellen Zuweisungen, weil durch Steuern und Aufträge vom Flughafen finanzielle Rückflüsse in die Region gegeben sind. Lt. Studie der FH Wildau betrugen die regionalökonomischen Effekte der RLG in 2014 4,7Mio/Jahr (z.B. Einkommenssteuer, Umsatzsteuer, Grundsteuer). Seitdem ist das Umsatzvolumen des Flughafens gestiegen.

Entwicklung zum Technologiestandort:
Wenn man Luftverkehr mit Blick auf seinen Betrag zum Klimaschutzes konsequent weiterdenkt und dabei insbesondere emissionsloses Fliegen in den Mittelpunkt der Forschung stellt, wird jedem klar, dass dieses Fluggerät an geeigneten Standorten entwickelt und getestet werden muss. Dies wird und kann nicht an großen Flughäfen erfolgen, weil dort der Luftraum überlastet, die Prozesse dafür nicht gegeben und die Anflugverfahren dadurch gestört würden. Weil es immer Luftverkehr geben wird, muss es unser aller Ziel sein, diesen emissionsarm und in der Perspektive emissionslos zu gestalten. Wir als Flughafen Rostock-Laage wollen als Technologiestandort unseren Beitrag dazu leisten und insbesondere kleinen und innovativen Unternehmen einen geeigneten Standort für die Entwicklung und Erprobung von neuen Technologien bieten. Seit einem Jahr kooperiert der Flughafen Rostock-Laage mit dem Herstellerverband GATE e.V., um am Standort Airport Technologie zu testen und Entwicklungen im Flughafenumfeld im Live Betrieb zu ermöglichen. Im Rahmen dieses Projektes wird der Flughafen Rostock-Laage zum „Innovation Airport“ weiterentwickelt und übernimmt damit eine wichtige Rolle bei der Entwicklung zukunftsorientierter Airport-Technologien.

Klimapolitische Verantwortung:
Der Flughafen Rostock-Laage stellt sich seiner Verantwortung bewusst und proaktiv. Die aktuellen Umweltleilinien des Flughafens, ebenso wie die Entgeltordnung, die einen Anflug mit emissionsreichem Fluggerät finanziell höher bepreist, tragen dem Rechnung. Wir teilen die Selbstverpflichtung der deutschen Flughäfen zur Reduzierung von selbst emittierten CO2-Emissionen auf Level 1 bis 2030 um 50% der Werte von 2010 und bis 2050 auf 0 Prozent. Dabei sind jedoch nur die dem Flughafen direkt zuzurechnenden Emissionen zu betrachten, weil ein Flughafen (ebenso wie ein Bahnhof) keinen Einfluss darauf hat, mit welchem Fluggerät Airlines eine Strecke bedienen. Somit ist der Vergleich der Emissionen der Studie, die die Emissionen der Airlines, welche den Standort anfliegen einschließen, nicht korrekt. Vielmehr sind die vom Flughafen Rostock-Laage verursachten Emissionen auf der Basis von 2018 im Jahr 2019 in einem Klimainventar berechnet worden und Grundlage des Handelns. So wurde auf Ökostrom umgestellt und zukünftig soll die Wärmeversorgung der Gebäude auf solarthermischer Basis erfolgen. Bei der Untersuchung der klimapolitischen Auswirkungen wird in der Studie in keiner Weise darauf eingegangen, dass in Deutschland der Straßenverkehr mit 163 Mio t CO2 in weit höherem Maße als das innerdeutsche Flugaufkommen (Stand 2018) mit 2 Mio t CO2 zu Buche schlägt. Das Land Mecklenburg-Vorpommern ist neben Bayern die beliebteste Tourismusdestination Deutschlands mit jährlich 8 Millionen Reisenden zuzüglich Tagesgäste. Der Deutschland-, insbesondere der Ostsee-Tourismus, wird perspektivisch stark wachsen, ausgehend vom Trend dieses Jahres. Tourismus ist in Mecklenburg-Vorpommern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Daher ist eine Anreise per Flug unverzichtbar, um den starken saisonalen Überlastungen der Straßeninfrastruktur entgegen zu wirken.

Schulungsstandort:
Im Jahr 2018 waren 49 Prozent und in 2019 63 Prozent der am Flughafen Rostock-Laage durchgeführten Flüge Trainingsflüge für die Ausbildung von Piloten, die am Standort Instrumentenflug erlernen oder ihre Lizenzen erhalten. Auch dieses Geschäftssegment der Ausbildung ist an großen Flughafenstandorten nicht durchführbar, weil durch die kleinen Maschinen Slots blockiert würden, die für den Linienverkehr dringend benötigt werden. Damit leistet der Flughafen Rostock-Laage einen wichtigen Betrag zum Schulungs- und Trainingsbetrieb und ist als Ausbildungsstandort seit Jahren etabliert und geschätzt.

Fazit:
Bei der Einordnung der Ergebnisse der Studie ist es wesentlich zu wissen, dass diese vom BUND in Auftrag gegeben wurde. Den Verfassern der „Studie“ fehlen profunde Kenntnisse der Grundlagen der Luftverkehrswirtschaft. Sie haben sich leider nicht die Mühe gemacht, sich mit den Marktbedingungen und regionalen Besonderheiten der einzelnen Flughäfen zu beschäftigen, weil sonst die aktuelle Strategie der Flughäfen Beachtung gefunden hätte. Der Regionalflughafen Rostock-Laage ist unverzichtbar, um die Konnektivität in die und aus der Region sicher zu stellen und leistet einen wesentlichen Beitrag für die aktuelle und zukünftige Entwicklung der Region und des zukünftigen Luftverkehrs aufgrund der Diversifizierung in den Technologiesektor.