ROSTOCKER BÜRGERSCHAFT WIRD BUNTER

Rostock hat gewählt und das Ergebnis lässt sich getrost als große Überraschung bezeichnet. Die Zusammensetzung der neuen Bürgerschaft wird wesentlich bunter als zuvor sein. Die großen Parteien wie CDU, SPD und Linke haben fast allesamt massiv an Stimmen verloren. Der große Gewinner des Wahlabends am 26. Mai waren die Grünen, die mit 19 Prozent die Zahl ihrer Mandate fast verdoppeln konnten und nun mit 10 gewählten Vertretern die zweigrößte Fraktion im Rathaus stellen. Ein einziges Mandat Vorsprung konnte die Linke retten und kann sich bei gerade einmal 0,9 Prozentpunkten mehr, weiterhin als größte Fraktion bezeichnen.

CDU und SPD können ihren derzeitigen Abwärtstrend auch auf kommunaler Ebene nicht stoppen und verlieren jeweils weiter an Stimmen. Während die Christdemokraten mit nur noch 14,5 Prozent gleich drei Sitze in der Bürgerschaft abgeben müssen, halten die Sozialdemokraten den Schaden mit lediglich einem verlorenen Sitz dahingegen etwas in Grenzen. Ihr Stimmenverlust hält sich mit einem Minus von 2,5 Prozentpunkten auf 14,4 Prozent allerdings bloß deshalb in Grenzen, weil sie schon 2014 anders als die CDU ein schwaches Ergebnis verkraften mussten. Beide Fraktionen stellen in der neuen Bürgerschaft jeweils acht Vertreter und werden künftig deutlich kleinere Brötchen backen und sich das Vertrauen der Wähler erst mühsam wieder verdienen müssen.

Zu den Gewinnern des Wahlabends durfte sich zudem die AfD zählen. Mit 9,6 Prozent liegt sie in Rostock zwar nach wie vor im einstelligen Bereich, doch konnte sie die Anzahl ihrer Mandate von zwei auf nunmehr fünf steigern. Dabei bleibt jedoch abzuwarten, ob sich die neue Fraktion fortan mit inhaltlichen Beiträgen an den Debatten beteiligen wird. Ihre bisherigen Vertreter glänzten eher mit Abwesenheit oder einem munteren Wechsel der politischen Lager.

Eine eigene Fraktion wird auch wieder die UFR bilden können, doch hatte diese sich durch die Unterstützung von Noch-OB Roland Methling sicher ein besseres Ergebnis als die erreichten 7,3 Prozent gewünscht. Immerhin vier Mandate konnten sie am Ende auf sich vereinen. Nach Wunsch der Wähler soll eines davon Roland Methling selbst ausfüllen und somit von der Verwaltungsbank auf die Seite der Bürgerschaft wechseln. Ob er diesem Wunsch wirklich nachkommt, bleibt jedoch abzuwarten.

Eher Nebenrollen haben die Wähler für die weiteren politischen Akteure, die außerdem auf den Wahlzettel standen, vorgesehen. Die FDP erhält mit 3,3 Prozent zwei Mandate und damit eins mehr als vor fünf Jahren. Der von Dr. Sybille Bachmann angeführte Rostocker Bund erhält bei einem Ergebnis von 4,1 Prozent ebenfalls zwei Mandate im neuen Stadtparlament. Beide werden sich politische Unterstützer suchen müssen, um fortan wahrgenommen zu werden. Mehr noch gilt dies für Aufbruch 09, die Freien Wählen und Die Partei, die jeweils einen Sitz erhalten haben. Dabei lässt der Erfolg der Satirepartei von Martin Sonneborn aufhorchen. Ganze 2,5 Prozent der Wähler gaben seiner Partei ihr Vertrauen, die weniger durch konstruktive politische Beiträge auffällt, dafür jedoch häufig Missstände und Klüngelwirtschaft im politischen Betrieb aufdeckt.
Erfreulich hat sich die Wahlbeteiligung entwickelt. Während vor fünf Jahren lediglich 40,5 Prozent der Berechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch machten, gingen in diesem Jahr 58,9 Prozent an die Wahlurnen. Damit war die Beteiligung 2019 so hoch wie seit 1990 nicht mehr.