Die Zukunft der Orthopädietechnik beginnt

Hochmoderne 3D Drucker ermöglichen revolutionäre Verfahren

Gleich zwei Werkstätten betreibt die LiEBAU Orthopädietechnik GmbH am Standort in Rostock. Jene in der Paulstraße wird liebevoll ‚Tausendfüßler‘ genannt. Sie ist ganz auf orthopädische Produkte für Kinder spezialisiert. In ihr arbeiten insgesamt neun Mitarbeiter des Unternehmens, wovon einer über die Qualifikation des Meisters verfügt. In der Werkstatt in Lütten Klein sind sogar 14 Mitarbeiter beschäftigt. Drei von ihnen sind Meister der Orthopädietechnik. In ihren Hallen bahnt sich momentan nicht weniger als die Revolution dieser anspruchsvollen Handwerkskunst an.

Technologiewende ermöglicht völlig neue Formen und Materialien
Für über 50.000 Euro hat das Unternehmen LiEBAU modernste 3D-Scanner angeschafft, um bei der Fahrt aufnehmenden Technologiewende ganz vorne mit dabei zu sein. Diese Scanner können fortan mit Formabdrücken menschlicher Extremitäten ‚gefüttert‘ werden. Dabei ist es möglich, den Scanner Details bis zu einem Zehntelmillimeter erfassen zu lassen. Mit Hilfe des Scans entwerfen die Ingenieure bei LiEBAU anschließend am Computer das Produkt, das die Kunden später am Körper tragen sollen. Sobald die Konstruktion abgeschlossen ist, kann die Pro- oder Orthese in Leipzig, bei einem im 3D-Druck führenden Unternehmen Europas, für den Druck in Auftrag gegeben und anschließend nach Rostock geliefert werden. Die bisher unternommenen Versuche, wie beispielsweise der Druck einer Armprothese, fielen überaus positiv aus, sodass sich auch die Kunden begeistert zeigten. Von besonderem Vorteil erwies sich dabei, dass der 3D-Drucker die Verwendung von völlig neuen Materialien zulässt, die per Hand sonst bloß schwerlich zu verarbeiten wären. So lässt sich etwa durch den sehr präzisen Einsatz der Kunststoffe ein überaus langlebiges Produkt herstellen, das gleichzeitig noch eine Gewichtsersparnis von zirka 20 Prozent gegenüber herkömmlichen Materialien mit sich bringt. Zudem ermöglicht die 3D-Technik Formen, die per Hand unmöglich konstruierbar wären. Damit einher geht ein gehöriger Zuwachs an alternativen Funktionen, die selbst an unerreichbar scheinenden Positionen im Werkstück vom 3D-Drucker integriert werden könnten.

Modernste Computertechnik unterstützt Handwerkskunst
Bisher entstanden nahezu sämtliche Prothesen und Orthesen in filigraner Handarbeit. Dabei gehen bis zur Fertigstellung eines einzelnen Werkstückes ohne weiteres vier volle Arbeitstage ins Land, so komplex ist die Herstellung und Anpassung der Maßanfertigungen.
Derzeit befindet sich die neue Technologie beim Unternehmen LiEBAU in einer aufwendigen Erprobungsphase. Mit jedem Werkstück, das am Computer konstruiert wird, lernen die Orthopädietechniker Neues über das innovative Verfahren, das ohne das handwerkliche Wissen nicht umsetzbar wäre, gleichzeitig jedoch völlig neue Herangehensweisen erlaubt.

Schon bei den ersten Anfertigungen dauerte der gesamte Prozess nicht länger als bei der herkömmlichen Anfertigung der Pro- und Orthesen. Mit einem weiteren Ausreifen der Technik und dem steigenden Wissen der Spezialisten bei LiEBAU, ist mit einem gehörigen Effizienzgewinn zu rechnen. Hinzu kommt, das sämtliche am Computer entworfene Modelle digital gespeichert bleiben. Das ermöglicht es in einigen Jahren, wenn manch ein Werkstück beschädigt werden mag, dieses mit relativ geringem Aufwand zu replizieren und den Kunden dabei das aufwendige Verfahren der Anpassung zu ersparen. Ersatzstücke ließen sich dann unkompliziert erneut zum Druck in Auftrag geben. Neben dem aufwendigen Verfahren könnte dabei gleichzeitig eine Menge wertvoller Materialien bei der Herstellung eingespart werden.

Über das Unternehmen 
Die Firma Liebau Orthopädietechnik GmbH ist ein Rostocker Handwerksunternehmen, welches seit seiner Gründung am 01.01.1992 ein beständiges Wachstum verzeichnet. Mittlerweile sind über 90 Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen des Unternehmens tätig und tragen durch eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Patienten zur ständigen Verbesserung der Leistungen sowie zu Spezialisierungen in den Bereichen klinische Orthopädie, Kinderorthopädie, Prothetik und Orthetik bei.