100 Tage im Amt

Am 1. September übernahm Claus Ruhe Madsen offiziell die Amtsgeschäfte als Oberbürgermeister von seinem Vorgänger Roland Methling. Seitdem sind knapp drei Monate vergangen. Zeit für uns, einmal nachzufragen, wie das erste Fazit des neuen OBs ausfällt.
Herr Madsen, Sie sind jetzt drei Monate im Amt. Wie gefällt Ihnen Ihr neuer Job bis dato?

Es ist als Bürgermeister ein bisschen wie SimCity, nur dass ich dazu noch das Modul `Kommunalpolitik´ habe. Die Arbeit macht viel Spaß und ist ungeheuer vielseitig. Ich lerne immer noch an jedem Tag Neues, habe aber auch schon viel über die Arbeit hinter den Kulissen erfahren. Und: Nein, es ist nicht nur ein Job. Bürgermeister zu sein ist viel, viel mehr. Man trägt eine große Verantwortung, kann Anderen Freude bereiten, muss aber auch enttäuschte Erwartungen in Kauf nehmen.

Vor Ihrem Amtsantritt hatten Sie einen großen Kassensturz angekündigt. Wie fällt dieser aus? Ist Rostock wirklich schuldenfrei?

Ja, aber die große Herausforderung besteht darin, diesen Kontostand auch zu halten. Vor uns stehen enorm viele Aufgaben. Und da geht es nicht nur allein ums Geld, sondern auch darum, viele Dinge anzupacken, die bisher liegen geblieben sind. Wir müssen uns immer wieder fragen:
Warum machen wir Dinge? Und warum haben wir andere Dinge bisher nicht geschafft? Diesen offenen Blick will ich mir unbedingt erhalten. Beim Kassensturz ging es also nicht nur ums Geld, sondern auch um die Art, wie wir mit Problemen umgehen und wie wir zu Entscheidungen kommen.

Auf der Agenda stehen mit dem Theaterneu, der BUGA, dem Archäologischen Landesmuseum und vielen weiteren Vorhaben gleich mehrere sehr teure Projekte. Ist deren baldige Umsetzung tatsächlich realistisch oder müssen wir irgendwo Abstriche in Kauf nehmen?

Das sind alles einzelne und wichtige Bausteine für die Zukunft unserer Stadt. Beim Theater hat die Architektur nun bereits ein Gesicht, die konkreten Planungen sind in Arbeit. Die Herausforderung besteht darin, das Limit von 110 Mio. Euro auch einzuhalten. Zur BUGA und zum Archäologischen Landesmuseum sind wir in wirklich guten Gesprächen mit der Landesregierung. Beide Projekte sind so etwas wie Katalysatoren für unsere Stadtentwicklung und durch sie gibt es auch zusätzliches Geld für Rostock.
Für mich im Fokus stehen neue Radwege und digitale Service-Angebote, die die Menschen und die Verwaltung entlasten. Wir brauchen zwei neue Feuerwachen, mehr Büros für die Verwaltung…
Ich kann heute noch nicht versprechen, dass wir alle diese Wünsche schnell umsetzen können. Aber ich bin optimistisch, dass das geht, wenn alle an einem Strang ziehen und in dieselbe Richtung!

Sie hatten sich vorgenommen, jedem Ihrer über 2.000 Verwaltungsmitarbeitern persönlich die Hand zu schütteln. Wie weit sind Sie damit bisher gekommen?

Na, so bei etwa 1.500. Ich war schon im Südstadt-Klinikum, bei der Feuerwehr, im Amt für Jugend, Soziales und Asyl. Das sind alles große Bereiche. Und bei der Personalversammlung in der StadtHalle habe ich am Eingang gestanden und viele Hände geschüttelt. Aber auch fürs neue Jahr bleibt noch genug Arbeit übrig!